Ahnentafel Andre Gressler
Andre Gressler, Goldlauter


Inhalt
Nachnamen Namensliste (alphabetisch geordnet) Andre-Gressler-Karte Quellenangabe


Die Sage vom Jägerstein - Sage oder Realität?

Valentin Grahner ist einer von 5 Söhnen meiner Großeltern in 9. Generation, Sebastian Grahner und Rahel Kraußer. Er wird 1690 vom Sohn seiner Schwester Catharina, Caspar Greiner, aus Versehen (??) erschossen. Darus entwickelte sich die "Sage vom Jägerstein"
Ist es Sage oder Realität?


Kirchenbuch Gräfenroda (Sterbeeintrag 1690): "Am 16.9.1690 erschießt der Jägerbursch Johann Caspar Greiner aus Versehen seinen Vetter, den Fürstl. Sächs. Forstmeister Valentin Grahner "in Verblendung einer Hirschgestalt" .

P. Lehfeldt schreibt hierzu in "Bau-und Kunstdenkmäler Thüringens, Heft XXVI, S. 151: "1/2 km östlich vom Schneekopf steht der sogenannte Jägerstein mit der Inschrift: Anno 1690, den 16. September ist Herr Johann Valentin Grahner, Fürstl. Sächs. Förster zu Gräfenroda von seinem Vetter als Schwestersohn Caspar Greiner unversehens erschossen. Darunter ein Jagdhorn und 3 Kreuze gehauen."



Die Sage vom Jagerstein (aus "Der Schwabe Hans Greiner", Abschnitt "Der sagenumwobene Gedenkstein", S. 315:

"Einst lebte in Gräfenroda ein Förster namens Johann Valentin Grahner, dessen Jagdrevier sich von der wilden Gera am Rennsteig entlang nach Osten erstreckte. Bei seiner Arbeit wurde der Förster durch Jagdgehilfen unterstützt. Eines Tages nahm nun der Förster Grahner den Sohn seiner Schwester, Johann Caspar Greiner, als Jägerbursch in den Dienst. Von ihm wurde gesagt, dass er der beste Schütze des Thüringer Waldes sei. Nie verfehlte seine Kugel das Ziel. Dieser Ruf drang dem Fürsten ins Ohr, der nun den jungen Jägerburschen an Stelle des Försters Grahner mit auf die Pirsch nahm. Dessen Neid wurde von nun an immer größer, zumal der Caspar für seine trefflichen Schüsse besondere Belohnung erhielt.

Aus Neid wurde Hass, der dem Förster schließlich zum Verhängnis werden sollte. Eines Nachts schlich der Förster zu einer als "Hexe" gemiedenen Frau, die jenseits des Rennsteigs hauste. Mit guten Worten und einem Beutel Geld erlangte der Förster durch ihre Künste Zauberkräfte. Zufrieden eilte er nach Hause.
Einige Tage später schickte Valentin Grahner seinen Neffen in Richtung Schmücke, wo der junge Greiner einen Hirsch erlegen sollte. Lange musste er warten bis schließlich in der Abenddämmerung ein Vierundzwanzigender aus dem Gebüsch hervorkam. Der Jägerbursch riss sein Schussbereites Gewehr hoch, zielte und drückte ab. Der Schuss krachte, aber mit dem Pulverdampf war auch der Hirsch verschwunden. Zum ersten Mal hatte der Jägerbursch sein Ziel verfehlt. Die ganze Nacht suchte er nach dem weidwunden Tier im Wald - ohne Erfolg. Erst am Morgen machte er sich auf den Heimweg. Sein Oheim empfing ihn höhnisch und fragte hinterhältig, ob er wohl geschlafen habe, als der kapitale Hirsch vorbeispaziert sei. Den Burschen ärgerte der Spott und Hohn seines Onkels sehr, und er nahm sich vor, bei der erstbesten Gelegenheit den Hirsch zu erlegen. Aber wieder begleitete ihn das Jagdpech, auch seine zweite Kugel verfehlte das Ziel.

Ratlos und ruhelos irrte der Jägerbursch durch den Wald bis er erschöpft auf einem Baumstumpf niedersank. Hier sitzend traf ihn am anderen Morgen ein alter Glasmeister aus der Gehlberger Glashütte. Der Glasmeister erkannte nach dessen Schilderung, dass der Jägerbursch verhext worden war und versprach ihn, eine Freischützenkugel zu fertigen, gegen die jeder Zauber machtlos ist. Dankbar schied der Jägerbursch von dem alten Glasmeister und wanderte nach Gräfenroda zurück.
das erneute Gespött seines Oheims überhörte er und entgegnete kurz: "Übermorgen bring ich den Hirsch bestimmt!". Am nächsten Tag, gegen Mitternacht, holte sich der Bursch die gläserne Kugel und stand am folgenden Abend zum dritten Mal auf dem Anstand. Heute musste es gelingen! Die Freischützenkugel im Lauf, legte er auf den kapitalen Hirsch an, als der auf die Lichtung trat. Dem Jägerburschen war es, als ob ihn der Hirsch mit dem Gesicht des Försters höhnisch auslachte und zum Ausdruck bringen wollte: "Du triffst mich ja doch nicht!" Der Schuss krachte, traf den Hirsch mitten ins Blatt. Das Tier bäumte sich noch einmal auf, bevor es zusammenbrach. Nun jubelte der Jägerbursche. Der zauber war gebrochen, und das Jagdglück war ihm wieder hold. Jauchzend stürmte er auf die Lichtung zu, um dem Hirsch den Genickfang zu geben. Zu seinem blanken Entsetzen fand er statt des Hirschen seinen Oheim blutend vor sich liegen. Die Freischützenkugel hatte den Oheim, der sich durch den zauber der Hexe in einen Hirsch verwandeln konnte, die Schläfe durchbort. So die uralte Sage. (aus Material der Heimatgeschichte Zella-Mehlis zusammengestellt)


Hans von Minckwitz schreibt zu diesem Geschehen (aus der Sicht der Gehlbeger Glasmacher) in seinem Buch "Ein Dorf im Walde - Die Geschichte Gehlbergs":
"Ging einem aber, zumal zur Winterszeit, da selten ein Auswärtiger in die Hütte kam, der Gesprächsstoff aus, so war doch unter den alten Glasern keiner, der nicht immer wieder Schauerliches und Erschreckendes ... zu erzählen wusste. ... Geschichten der kugelfesten Männer, von den Freikugeln und den Freischützen...
Als man aber im Herbst 1690 den von seinem eigenen Neffen versehentlich am Schneekopf erschossenen Enkel der Frau Ursula Sorge, verwitweten Holland [Anmnerkung Gressler: er ist aber nicht der Enkel, sondern der Neffe der 1689 gestorbenen Hüttenbesitzerin gewesen - siehe Stammbaum!] über den Gehlberg hinabtrug, da wollte keiner in der Hütte glauben, dass diese Untat mit rechten Dingen zugegangen sei. Man kannte doch den Erschossenen und den unglücklichen Schützen persönlich, wie oft waren die beiden auf ihren Reviergängen zur Rast in der Hütte eingekehrt, und was es mit Freikugeln auf sich hatte, darüber hatte man sich so oft schon unterhalten! Was 150 Jahre später ein Ludwig Bechstein als "Sage vom Jägerstein" aufgezeichnet hat, das ist damals für unsere Leute auf dem Gehlberg noch unheimliche Wirklichkeit gewesen."

Fakt ist also, dass Caspar Greiner seinen Onkel erschossen hat. Ob es sich dabei um eine Unfall oder Tötung gehandelt hat, darüber werden sich die Gelehrten auch nach 500 Jahren noch den Kopf zerbrechen. Ganz sicher aber hat sich Valentins Mutter, Rahel, sehr über den Tod ihres Sohnes aufgeregt, denn etwa ein Viertel Jahr nach diesem Unfall stirbt sie in Ilmenau.
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